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Leistungszeichen Saujager in Thüringen (August 2020)

In der dritten Augustwoche dieses Jahres reisten vier luxemburgische DD-Gespanne nach Deutschland ins Bundesland Thüringen, um gegebenenfalls das Leistungszeichen Saujager DD in dem anerkannten Schwarzwildgatter bei Hermannsfeld zu erhalten. Die Gespanne bestanden aus einem DD Braunschimmel Rüden aus dem Zwinger vom Tiefeisen, stehend im fünften Feld, mit seinem Führer Ken sowie den drei DD Wurfgeschwistern, einem Braun- und Schwarzschimmel Rüden und einer Braunschimmel Hündin aus dem Zwinger vom Fürstenwall, stehend im zweiten Feld, mit ihren jeweiligen Führern Damien, Carlo und Rick.
Der Erwerb dieses Leistungszeichens setzt voraus, dass der Hund innerhalb von fünf Minuten eigenständig die Sauen aufspürt und diese dann während drei Minuten entweder lauthals verfolgt oder an ihnen Standlaut gibt. Dies muss unter den Prüfungsaugen eines anerkannten Verbandsrichters und unter Bezeugung des Gattermeisters geschehen. Vorab, allen vier Gespannen konnte nach absolvierter Arbeit sowohl vom Verbandsrichter als auch vom Gattermeister zum Erwerb des Leistungszeichens Saujager DD gratuliert werden. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um jenen zu danken, die diese Angelegenheit in die Wege geleitet und überhaupt ermöglicht haben. Dies wären erstens unser Freund und Organisator Werner, der für den reibungslosen Verlauf gesorgt hat, zweitens unser hervorragender Gattermeister Rainer, der durch sein immenses Fachwissen hervorsticht und nicht zu Letzt unser Verbandsrichter Franz, der keine Mühe und Zeit scheute und eine Hin- und Rückfahrt von fast 400 Kilometer auf sich genommen hatte, um uns den Erwerb dieses Leistungszeichens zu ermöglichen. Diesem Engagement ist höchste Achtung zu erbringen und hierzu kann nur gesagt werden: „Glück dem der solche Freunde hat“. Ein herzliches Dankeschön an euch drei.
Ich nutze das oben Verfasste als Einleitung, um auf ein Thema einzugehen, das mir persönlich am Herzen liegt und hier in Luxemburg ein noch stiefmütterliches Dasein fristet: Das Einarbeiten unserer Jagdhunde im Schwarzwildgatter.
Natürlich kann man geteilter Meinung sein und es müsste in den dafür vorgesehenen Gremien ergründet werden, warum es sinnvoll wäre, mit seinem Hund ein solches Gatter aufzusuchen. Auf den, dem Hund bevorstehenden, Treibjagden wird er früher oder später ohnehin Kontakt zum Schwarzwild bekommen. Er wird mit jedem Treiben Erfahrung an den Sauen sammeln. Ich stelle daher die Frage andersrum: „Warum nicht?“ Was spricht dagegen seinen jungen Hund in einem Schwarzwildgatter einzuarbeiten. Ist es nicht besser, er macht seine ersten Erfahrungen am Schwarzwild zusammen mit seinem Führer und unter Aufsicht eines erfahrenen Gattermeisters? Erscheint es nicht sinnvoll, den Hund zu leiten und seine ersten Kontakte mit Schwarzwild positiv zu gestalten? Schließlich kann er bei der Treibjagd beim ersten Zusammentreffen mit einer Sau von dieser geschlagen werden, dieses negative Erlebnis verinnerlichen und auf kommende Begegnungen übertragen. Bei vielen Hunden war es das dann mit der Schwarzwildjagd.
In dem Gatter lernt der Hund wie er sich am Schwarzwild verhalten soll. Es ist Irrsinn zu glauben, diese Gatter seien dafür bestimmt, die Jagdhunde an Sauen scharf zu machen. Absoluter Schwachsinn! Der junge Hund wird gelehrt, die Sauen eigenständig zu suchen und zu finden. Des Weiteren lernt er, diese lauthals zu treiben oder, sollten sie sich stellen, an ihnen Standlaut zu geben, was wiederum wichtig für die Schweißarbeit ist. Dem Hund wird das Essentielle zu der Schwarzwildjagd beigebracht: Das Laut Geben an der Sau. Dementsprechend lernt er außerdem der Fährte einer einzelnen Sau zu folgen und diese zu halten, erneut ein äußerst bedeutender Faktor für die Schweißarbeit. Überdies wird die Zusammenarbeit und die Bindung zum Führer weiter gestärkt und der Hund versteht schnell, dass das Schwarzwild sowohl Fluchttier als auch wehrhaftes Wild sein kann. Zur Steigerung der Wirksamkeit, passiert all dies unter den geschulten Augen und der tiefgreifenden Fachkenntnis des Gattermeisters.
Unsere Jagdhunde weisen bekanntlich ganz unterschiedliche Charakteristiken vor. Das Spektrum reicht von draufgängerisch und selbstsicher zu unsicher und ängstlich, wobei letztgenannte weniger zur Schwarzwildjagd geeignet sind. Im Schwarzwildgatter wird offenbart, wo unsere Vierbeiner einzuordnen sind. Die eher selbstsicheren Hunde verstehen ihrerseits schnell, wie sie sich am Schwarzwild verhalten und wie sie diese bejagen sollen. Den Draufgängern wird versucht beizubringen, nicht selbstgefährdend zu arbeiten, während die unsicheren Hunde wiederum lernen, durch Unterstützung seitens ihres Führers selbstsicherer zu agieren.
Natürlich ist beim Einarbeiten unserer Jagdhunde in einem solchen Gatter ein gewisser Zeitaufwand erforderlich. Dies gilt allerdings ohnehin zur gesamten Erziehung und jagdlichen Ausbildung. Steht den Hunden schließlich nicht die bestmögliche Ausbildung zu? Ich denke schon. Ein eingearbeiteter Hund ermöglicht nicht nur waidgerechteres Jagen, sondern bereitet dem Führer sicher mehr Freude. Außerdem steht und fällt das Streckenergebnis am Ende nur mit dem Hund.
Auf einige Fragen, die in der Vergangenheit an mich ran getragen wurden, will ich bei dieser Gelegenheit noch eingehen. So wurde ich beispielsweise gefragt, wann der beste Zeitpunkt wäre, den jungen Hund in einem solchen Gatter einzuarbeiten. Hier gilt, wie bei der gesamten Erziehung und Ausbildung des Hundes, je früher desto besser. Der junge Hund kann dementsprechend bereits im Welpenalter, in einem so genannten Eingewöhnungsgatter, seine ersten Erfahrungen am Schwarzwild machen. Es ist sicherlich vorteilhaft, den Jagdhund zumindest im ersten Lebensjahr bereits im Schwarzwildgatter einzuarbeiten, was wiederum nicht bedeutet, dass es nachher zu spät wäre. Zum Nachholen, Verbessern und Verfeinern ist es, wie bei uns Menschen, auch im fortgeschrittenen Alter nie zu spät. Eine weitere Frage befasste sich mit den FCI Papieren als Obligation zur Zulassung im Gatter. Meines Wissens gewähren einige Gatter in der Zwischenzeit auch Jagdhunden ohne FCI Papiere Einlass. Dies bezieht sich allerdings vorrangig auf die Schweißhunderassen. Daran anknüpfend wurde ich gefragt ob auch andere Jagdhunderassen das Leistungszeichen Saujager erwerben können, oder ob dies dem Deutsch-Drahthaar vorbehalten sei. Es ist so dass dieses Leistungszeichen an nahezu alle Jagdhunderassen mit FCI Papieren vergeben werden kann. Die dafür erforderten Leistungen entsprechen in etwa, mit gegebenenfalls leichten Abänderungen, jenen vom Deutsch-Drahthaar. Diese Anforderungen kann man bei Interesse jederzeit in den Prüfungsordnungen der verschiedenen Zuchtverbände nachschlagen.
In der Hoffnung, mit den oben gedruckten Zeilen das Interesse einiger Jagdhundeführer angeregt zu haben, wünsche ich mir, dass für diese Gespanne einem künftigen Besuch im Schwarzwildgatter nichts mehr im Wege steht. Sollte man das Glück haben, wie wir ebensolche positiven Eindrücke im Schwarzwildgatter Hermannsfeld, unter der Leitung eines überaus kompetenten Gattermeisters, zu erhalten, wird jeder Besuch garantiert zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Carlo Wersant

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